BIG IDEAS | Edgar Wilkening

Was kostet so eine Website eigentlich ganz konkret?

14. Oktober 2013    
Anerkennung, Schulterklopfen, Komplimente: vielen Dank – meine neue Website www.bigideas.de hat tolles Feedback bekommen. Oft war dieses Lob direkt verbunden mit der Frage: „Was kostet so eine Website eigentlich?“ Denn: „Ich/wir/unsere Firma müsste/n dringend auch einen neuen Internetauftritt haben.“

Tja, was kostet so eine Website …? Ehrliche Antwort? „Es kommt drauf an.“

Aber auf was genau kommt’s eigentlich an? Das soll hier praxisbezogen und präzise dargestellt werden. Auf den Euro genau. Um einen ganz konkreten, nachvollziehbaren Einblick in die Entwicklungspraxis zu geben, dröseln wir mal präzise auf, welche einzelnen Arbeitsschritte drinstecken in einer Webseite.

Basis der Betrachtung ist dabei nicht der gesamte Webauftritt auf www.bigideas.de, sondern der Übersichtlichkeit halber nur ein Teil daraus – nämlich eine einzelne Beispielseite. Und zwar jene Webseite, die über den Menüpunkt Hamburg zu erreichen ist und auf Grundlage des Fotos unten umgesetzt wurde.

BUSINESS SUMMARY DIESES ARTIKELS

Die Entwicklung einer Website fordert zahlreiche Gewerke: Strategie, Konzept, Foto, Grafik, Text, IT … Abhängig von deren Arbeitsaufwänden ergeben sich die Kosten. Grundlage für präzise Kalkulationen im Vorfeld sind Konzept und/oder Wireframe der Website, aus denen sich Pflichtenheft und Arbeitsaufwände ermitteln lassen.

Im dargestellten Praxisbeispiel wird der Aufwand für eine einzelne Seite einer Website detailliert aufgeschlüsselt. Bei gesamt 20 Arbeitststunden aller Gewerke zu einem kalkulatorisch angenommenen Einheits-Stundensatz von nur 60 Euro plus 30 Euro Lizenzgebühren ergibt sich so ein Gesamtaufwand von 1.230 Euro für die Beispiel-Webseite.

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Verkleinerte Darstellung des Background-Bilds der Seite. In der finalen Anwendung auf der Website wird das Bild mit 600 Pixel Höhe und knapp 3.000 Pixel Breite eingesetzt. Für größere Darstellung: Bild anklicken. Das Artwork für Textanimation, „Aufreißlasche“ etc. entstand auf Basis eines Originalfotos der Microstock-Plattform Fotolia. (©kameraauge – Fotolia.com)

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VORWEG ZUM VERSTÄNDNIS

Der gesamte Webauftritt auf www.bigideas.de ist ein so genannter One-Pager. Das heißt: Die gesamte Website besteht (von einigen Ausnahmen wie z.B. diesem Blogbericht abgesehen) im Kern nur aus dem, was die Homepage zeigt, die man beim Aufruf der URL zu sehen bekommt. Durch Scrollen der Seite oder durch Nutzen der Navigationszeile am oberen Bildrand ist der Content erreichbar. One-Pager sind momentan ein sehr beliebtes, weil für den Nutzer sehr einfaches Konzept zur Darstellung von Inhalten im Web.

Unabhängig davon, dass sich der Webauftritt für den Besucher im Prinzip also wie „eine einzige Seite“ anfühlt: Der Inhalt ist im Hintergrund dennoch in diverse Einzelseiten strukturiert. Die Seite basiert auf einem One-Pager-Template, das über eine MySQL-Datenbank und WordPress als Redaktionssystem gepflegt wird. Innerhalb dieser technischen Struktur wird jeder „horizontale Streifen“, der auf der Website zu sehen ist, als separate Einzelseite geführt. Deshalb ist das Bild des Hamburger Hafens hier im Beispiel strukturell eine einzelne Webseite – die zusammen mit den weiteren „horizontalen Streifen“ den Gesamtauftritt www.bigideas.de ergibt.

Klingt kompliziert? Okay – vergessen Sie’s wieder … Wichtig ist nur: Das Panorama-Foto stellt als Backgroundbild den Hintergrund einer in sich geschlossenen Einzelwebseite dar. Und die nehmen wir jetzt mal detailliert unter die Lupe.

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1. SCHRITT: STRATEGIE UND KONZEPT

Welche Aufgabe hat die „Hamburg“-Seite innerhalb des Gesamtauftritts www.bigideas.de? Kerngedanke war, ergänzend zu den anderen Aspekten darzustellen, dass strategische Kreationen von Edgar Wilkening nicht in Hintertupfingen entstehen oder bei den sieben Zwergen – sondern dort, wo sich eines der stärksten kreativen Zentren Deutschlands bzw. Europas befindet: im Herzen von Hamburg.

Dabei ist die räumliche Nähe für Auftraggeber aus der Hansestadt eine Sache. Viel interessanter für Kunden: dass sie dank des urbanen Umfelds und internationalen Flairs der Elbmetropole sicher sein können, strategische Kreation auf absolutem Top-Niveau zu erhalten. State of the art: mitten aus einer der erfolgreichsten Wirtschaftsmetropolen Europas. Deshalb stand bald die Idee im Raum, ein markantes „Touristen-Bild“ als Hingucker zu wählen: ein möglichst typisches Hamburg-Panorama, in dem Sehenswürdigkeiten als Fixpunkte auch von Auswärtigen schnell erkannt werden.

Gleichzeitig sollte die Seite die mögliche Bandbreite strategischer Kreativprojekte für unterschiedliche Kunden darstellen. Und das möglichst konkret: bezogen auf typische Leistungsfelder von Edgar Wilkening. Daraus entstand die Idee, Projekte in Textfeldern anzureißen, die dann mit Pfeilen bestimmten Orten im Panorama zugeordnet werden.

Da bei dieser Idee der Text nur als bildliche Darstellung einzubinden war, bestand die Gefahr, dass die Textinhalte von Suchmaschinen wie Google, Bing etc. nicht ausgewertet werden könnten. Deshalb ergab sich die Anforderung, entscheidende Schlagworte auch für Suchmaschinen lesbar im Quelltext der Seite unterzubringen. Das führte später zu der Idee der „Aufreißlasche“, in der für Suchmaschinen lesbarer Text per Redaktionssystem platziert wird. Auf den Punkt gebracht sah das Anforderungsprofil für die Seite also wie folgt aus:

  1. Klaren Hamburg-Bezug für die Leistungen von Edgar Wilkening herstellen
  2. Markantes Hamburg-Panorama als attraktiver Hingucker
  3. Beispielhafte Kreationsprojekte mittels Textinserts und Pfeilen einbinden
  4. Keywords für Suchmaschinen verwertbar in den Quelltext integrieren
  5. Ästhetisch eine Darstellungsform entwickeln, die den Gesamt-Webauftritt aufwertet
  6. Für mobile Endgeräte (Smartphones, Tablets etc.) geeignet

 

Klingt das alles so weit einleuchtend für Sie? Logisch? Plausibel? Nachvollziehbar?

Prima! Das tut’s nämlich nur, weil sich irgendjemand all das so einleuchtend, logisch, plausibel und nachvolllziehbar ausgedacht hat. Und im Rahmen dieses Ausdenkens alle nicht einleuchtenden, unlogischen, unplausiblen und nicht nachvollziehbaren Möglichkeiten verworfen, korrigiert, bearbeitet oder im Sinne der Aufgabenstellung immer wieder überdacht hat.

Diese Phase nennt sich Strategie- und Konzeptentwicklung. Und damit in dieser Phase etwas entsteht, dass sich so selbstverständlich liest wie die Aufgabenbeschreibung oben, braucht es Erfahrung, strategisches Denken, konzeptionelles Know-how – und nicht zuletzt Zeit.

Wenn Sie eine Website haben wollen: Wer übernimmt diesen strategischen und konzeptionellen Teil? Wer hat ausreichend Know-how und Zeit, die Ziele und Lösungen zu durchdenken? Und danach (sofern Sie für die Realisation externe Dienstleister hinzuziehen) so präzise aufzuschreiben wie im Beispiel oben? Das nennt sich „Briefing“. Und ist für alle beteiligten Gewerke die wichtigste Arbeitsgrundlage – vergleichbar mit dem Architekturplan beim Bau eines Gebäudes.

In der Regel wird man Strategie und Konzept nicht nur für eine Einzelseite entwickeln, sondern im Kontext eines gesamten Webauftritts durchdenken. Wenn Sie das erfahrenen Profis oder einer guten Agentur in die Hände geben, entstehen da schnell zweistellige Stundenaufwände, die sich bald in vier- oder auch fünfstellige Budgetaufwände verwandeln können – nur für Nachdenken. Besser gesagt: für Vordenken. Insofern ist es keineswegs überdimensioniert kalkuliert, wenn wir hier für Strategie und Konzept der Einzelseite inklusive Erstellen des Briefings wie oben ziemlich sparsame drei Zeitstunden einplanen.

Zwischenstand Arbeitsaufwand nach Schritt 1: 3 Zeitstunden

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2. SCHRITT: BILDRECHERCHE

Bei Strategie und Konzept hatten wir gesagt: Die Webseite soll ein Hamburg-Panorama als attraktiven Hingucker bekommen. Also: Wo kommt das Bild her? Wenn Sie in der Lage sind, ein solches Bild nach professionellen Maßstäben selbst herzustellen: wunderbar! Ansonsten wird man wohl auf einen externen Fotografen zurückgreifen müssen.

Um den Kostenaufwand dabei möglichst gering zu halten, ist die erste Möglichkeit immer: auf den einschlägigen Microstock-Portalen wie iStockphoto, Fotolia etc. nach einem geeigneten Motiv zu suchen, das von einem Fotografen schon erstellt wurde. Klingt ganz einfach. Ist es im Prinzip auch. Aber zeitintensiv. Unterschätzen Sie nicht den Aufwand, der sich ergibt, wenn man unter Millionen Fotos das eine passende finden will – allen Hilfs- und Filterfunktionen zum Trotz.

Zumal es nicht damit getan ist, einfach nur Fotos zu suchen. Geeignete Kandidaten, die in die engere Auswahl kommen, müssen testweise downgeloaded, für das Endformat zurechtgeschnitten, probehalber mit Text-Inserts versehen und anschließend im Vergleich begutachtet werden. Am Ende der Recherche standen knapp zehn Testfotos im Finale.

Die Entscheidung fiel dann auf das Motiv unten. Weil es die Idee sehr gut transportiert und sich am besten anpassen lässt. Mit circa zehn Euro Lizenzgebühren war es zufälligerweise auch noch das günstigste Foto in der Auswahl. Andere Fotos gehen schnell auch mal in den drei- oder vierstelligen Euro-Bereich. Unabhängig von den Lizenzgebühren standen für Recherche, Testformatierungen, Auswahl und Lizenzeinkauf am Ende locker drei Zeitstunden auf der Uhr.

Zwischenstand nach Schritt 1 und 2: gesamt 6 Zeitstunden (plus 10 Euro Lizenzgebühren)

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Das Originalfoto, das durch die Bildrecherche gefunden wurde: für den geplanten Zweck grundsätzlich geeignet – allerdings hat der Himmel deutlich zu wenig „Höhe“, um dort Texte zu platzieren. Außerdem wirkt die ewige Großbaustelle Elbphilharmonie rechts im Bild wie eine Karikatur, wenn man über wirtschaftlichen Erfolg durch Know-how aus Hamburg spricht: Sie wurde aus dem endgültigen Bild entfernt. (©kameraauge – Fotolia.com)

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3. SCHRITT: TEXTENTWICKLUNG

Jeder professionelle Texter wäre glücklich, wenn er ein so präzises Briefing wie oben erhalten würde. Damit kann er sich hinsetzen und seinen Job machen: prägnante Worte finden für typische Praxisbeispiele strategischer Kreation von Edgar Wilkening – wie Brand Stories, Geschäftsmodelle, Produktinnovationen, Strategievorträge etc.

Während der Arbeit am Text entstand die Idee, jedes Praxisbeispiel mit einem markanten „Hier“ zu beginnen, das auch visuell noch verstärkt werden sollte, um einen engeren Bezug zu den Orten im Hamburg-Panorama herzustellen. Am Ende haben es (aus grafischen Gründen) nur sechs Formulierungen ins Bild geschafft: die stärksten. Entwickelt hatte der Texter aber insgesamt zehn. Guter Mann!

Außerdem gehörte zu seinen Aufgaben die Einbindung der Keywords in einen Satz, der innerhalb des Seitenquelltextes platziert werden sollte, damit er von Suchmaschinen gelesen werden kann. Der Vorschlag „Exzellente Kreation mitten aus Deutschlands erfolgreichster Werbemetropole Hamburg“ ist klasse getextet und erscheint im Webauftritt innerhalb der „Aufrisslasche“. Aufwand für die gesamten Textleistungen inklusive Briefing und Abstimmung: absolut faire zwei Zeitstunden.

Zwischenstand nach Schritt 1 bis 3: gesamt 8 Zeitstunden (plus 10 Euro Lizenzgebühren)

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4. SCHRITT: GRAFIK UND ARTWORK

In der Grafik werden alle Elemente zu einem ästhetischen Ganzen zusammengefügt. Zunächst wird das Foto auf den finalen Bildausschnitt getrimmt und in Photoshop nachbearbeitet: Fehler korrigieren, Kontraste anheben, Farben sättigen, dem Himmel deutlich mehr „Höhe“ geben, um Texte platzieren zu können, das Blau vertiefen, etc.

Dann musste eine Schriftfamilie gewählt werden, in der die Praxisbeispiel-Sätze erscheinen sollten. Um den persönlichen Typus der Aussagen zu unterstreichen, wurde eine handschriftlich wirkende Typo gesucht. Allerdings eine, die nicht verschnörkelt oder kitschig erscheint, sondern markant, präzise, klar. Die Wahl fiel auf „Corradine Handwriting“, da sie die beste Kombination aller geforderten Eigenschaften bietet. Leider war die Schriftfamilie auf dem Grafikrechner nicht installiert, so dass zunächst eine entsprechende Lizenz erworben musste. Kosten: circa 20 Euro. Das Artwork gestaltete die Sätze, versuchte verschiedene Hervorhebungen des „Hier“, probierte zahlreiche Pfeilvarianten aus und suchte eine ausgewogene Platzierung der Aussagen im Foto.

Doch wohin mit dem Keyword-Satz, der im Seitenquelltext eingepflegt werden soll? In Haltung wie Stilistik unterscheidet er sich deutlich von den Hier-Aussagen. Nach zahlreichen Versuchen entstand die Idee, den Satz visuell hinter einer „Aufrisslasche“ zu platzieren – quasi so, als wäre er gar nicht Teil des eigentlichen Bildes. Das entsprechende Artwork der Lasche musste in Größe und Position präzise mit der IT abgestimmt werden, damit am Ende alles aussieht wie aus einem Guss. Aufwand gesamt für Grafik und Artwork: sehr fair gerechnete sechs Zeitstunden. Immerhin: Jetzt ist alles fertig zum Upload auf den Server.

Zwischenstand nach Schritt 1 bis 4: 14 Zeitstunden (plus 30 Euro Lizenzgebühren)

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Das fertige Bild, wie es im ersten Step aus der Grafik kam und auf der Website veröffentlicht wurde. Fällt Ihnen was auf? Die Texte sind nicht animiert. Sie erscheinen nicht nach und nach, sondern stehen statisch im Bild. Das wurde später zusammen mit einigen weiteren Kleinigkeiten noch verbessert – siehe 7. Schritt: Weiter-Entwicklung. (©kameraauge – Fotolia.com)

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5. SCHRITT: WEB-PUBLISHING

Alles fertig? Dann muss das ganze Zeug nur noch irgendwie auf den richtigen Server, an der richtigen Stelle in der Datenbank platziert und im Web freigeschaltet werden. Wer weiß, wie das geht, hat das relativ schnell erledigt. Alles in allem sollten Datenhandling, Upload, Publishing, Checks, eventuelle Korrekturen etc. mit einem Stündchen Zeitaufwand passabel berechnet sein.

Zwischenstand nach Schritt 1 bis 5: 15 Zeitstunden (plus 30 Euro Lizenzgebühren)

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6. SCHRITT: PROJEKTMANAGEMENT

Geschafft! Alles ist online, alles passt, alles funktioniert! Dass die Arbeiten aller Gewerke so nahtlos zusammenpassen, dafür sorgt vorausschauendes Projektmanagement. Klar: Wenn Sie ein Universalgenie an der Hand haben, dass alle Gewerke in einer Person vereint, findet die Abstimmung der Gewerke untereinander sozusagen auf dem kurzen Dienstweg statt: im Kopf Ihres Universalgenies. Aber solche Multitalente dürften in der Praxis eher selten sein.

Also wird irgendjemand die einzelnen Gewerke koordinieren müssen: das Briefing zusenden und erläutern; die Ergebnisse kontrollieren, justieren, abnehmen, weiterleiten; das Endergebnis beobachten, abstimmen, freigeben; die Urheber- und Nutzungsrechtesituation klären; Rechnungen prüfen, verwalten, begleichen. Typisches Projektmanagement eben: das steuernde Element im Hintergrund, ohne das alles auseinanderfliegt. Rechnen wir in diesem Fall mal lässige zwei Zeitstunden dafür – keinesfalls zu hoch gegriffen für die Gesamtkoordination.

Zwischenstand nach Schritt 1 bis 6: 17 Zeitstunden (plus 30 Euro Lizenzgebühren)

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KOSTENRECHNUNG FÜR DIE SCHRITTE 1 BIS 6

Die Webseite ist online – Chapeau! Unterm Strich haben wir jetzt 17 Zeitstunden auf der Uhr. Wenn wir der Einfachheit halber einen extrem günstigen Stundensatz von nur 60 Euro für alle Gewerke einheitlich zugrundelegen, ergibt das eine Gesamtsumme von 1.020 Euro an Honorar. Zuzüglich 30 Euro Lizenzgebühren kommen wir auf 1.050 Euro gesamt. Netto versteht sich.

Gut eintausend Euro für eine einzelne Webseite: das ist durchaus realistisch. Aber geht das Ganze nicht auch günstiger? Na, klar! Drei Möglichkeiten:

  1. Sie senken die Kosten, indem Sie einzelne Leistungsschritte einfach weglassen. Im konkreten Beispiel: Sie nehmen für die Textinserts als Typo einfach Arial statt Corradine Handwriting – und probieren andere Schriftvarianten auch gar nicht erst aus. Sie nehmen nicht das beste Foto für den Zweck – sondern das erstbeste. Sie sparen sich Bildbearbeitung und Korrekturen. Sie nehmen nur ein, zwei Texinserts statt sechs und verzichten auch auf den für Suchmaschinen lesbaren Textteil in der „Aufrisslasche“. All das verringert den Zeit- und Lizenzaufwand. Leider auch die Qualität. Am Ende bleibt vor lauter Einsparen nichts mehr von dem, was mal geplant war und als Kommunikationsziel definiert wurde. Dann ist alles rausgeschmissen. Besser, man hätte sich das Ganze gespart.
  2. Sie erbringen bestimmte Leistungsschritte einfach selbst und berechnen Ihren eigenen eigenen Arbeits- und Zeitaufwand nicht – statt Spezialisten einzukaufen. Beispiel: Sie entwickeln Strategie und Konzept selbst und schreiben Ihr Briefing eigenhändig. Oder Sie koordinieren die Gewerke selbst. Machen Bildrecherche, Textentwicklung, Artwork selbst. Kümmern sich selbst um Grafik und Upload … Können Sie? Klasse! Dann sollten Sie über einen Wechsel in die Agenturlandschaft nachdenken: Experten wie Sie werden händeringend gesucht. Und vielleicht können Sie beim nächsten Ölwechsel in Ihrer Werkstatt auch mit anpacken? Spart ebenfalls enorm.
  3. Sie suchen sich Dienstleister, die weniger als 60 Euro die Stunde berechnen. Angenommen, Sie finden jemanden, der die gleiche Leistung im gleichen Zeitraum in gleicher Qualität für 30 Euro die Stunde erbringt, halbieren Sie die Gesamtsumme auf schlappe 510 Euro Honorar (plus 30 Euro Lizenzgebühren – sofern Ihr 30-Euro-Mann überhaupt auf offizielle Lizenzen Wert legt). Da 60 Euro Stundensatz für derart spezialisierte Leistungen schon extrem billig kalkuliert ist, sollten Sie bei Ihrem 30-Euro-Dienstleister umso mehr darauf achten, dass alles seriös abläuft. Sie wären nicht der Erste, der am Ende ein Vielfaches von dem drauflegen muss, was er eigentlich sparen wollte.

Zumal: In der tatsächlichen Praxis dürfte die Gesamtsumme eher noch höher als 1.050 Euro ausfallen. Denn Konzept und Strategie zum Beispiel sind Leistungen, für die im Markt eher das Drei-, Vier-, Fünffache des Honorars pro Stunde aufgerufen wird, das wir hier in der Beispielrechnung veranschlagt haben. Und auch die anderen Gewerke berechnen, sofern es sich um professionelle Spezialisten handelt, erfahrungsgemäß höhere Stundensätze als im Beispiel zugrundegelegt.

Da sich die Kostenrechnung außerdem auf die reine Content-Entwicklung bezieht, sind generelle Kosten für den Betrieb einer Website (zum Beispiel für Server-Hosting, Set-up-Installation, Lizenzgebühren für Templates, Pflege etc.) in der Aufstellung nicht enthalten.

Zwischenstand der Gesamtkosten bei einem Einheits-Stundensatz von 60 Euro für alle Gewerke: 1.020 Euro (plus 30 Euro Lizenzgebühren)

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7. SCHRITT: WEITER-ENTWICKLUNG

Mein persönliches Arbeitsmotto: Das Bessere ist der Feind des Guten. Das gilt auch für die Webseite, die wir uns hier ansehen: schon ganz gut – aber geht es nicht noch besser? Und so tauchte im Rahmen der Optimierungs- und Exzellenz-Phase irgendwann die Frage auf: Wenn die Textinserts im Foto schon so plakativ „Hier“ rufen – lässt sich das nicht auch visuell noch verstärken? Was wäre, wenn die Inserts nicht statisch im Bild stünden, sondern nacheinander erscheinen würden – quasi als Animation? Besser als gut – ganz klar! Also gesagt, getan.

Allerdings kam jetzt der 6. Punkt des Briefings zum Tragen: Die Webseite soll auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets funktionieren. Deshalb schied Flash als Umsetzungsbasis für die Animation aus. Alternative: eine GIF-Animation. Im Grafikgewerk wurde die Animation in Photoshop angelegt und anschließend als GIF-Datei ausgegeben. Dann noch Upload, neue Verknüpfung im Redaktionssystem, Kontroll-Check. Alles in allem locker drei weitere Zeitstunden für den gesamten Prozess vom kritisch-kreativen Prüfen bis zum Endergebnis. Aber es lohnt sich!

Zwischenstand nach Schritt 1 bis 7: 20 Zeitstunden (plus 30 Euro Lizenzgebühren)

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Das finale GIF mit den sechs animierten Textphasen. Im Webauftritt erscheint in der „Aufrisslasche“ zusätzlich der Satz mit den für Suchmaschinen lesbaren Keywords, der aus dem Redaktionssystem eingespeist wird: „Exzellente Kreation aus Deutschlands kreativster Werbemetropole Hamburg“. (©kameraauge – Fotolia.com)

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KOSTENRECHNUNG FÜR DIE SCHRITTE 1 BIS 7

Stand heute für die Einzel-Webseite: 20 Stunden Zeitaufwand. Legen wir wie oben wiederum lediglich 60 Euro als einheitlichen Stundensatz für alle Gewerke zugrunde, ergibt das eine Gesamtsumme von 1.200 Euro plus 30 Euro Lizenzgebühren. Insgesamt also 1.230 Euro.

Zwischenstand der Gesamtkosten bei einem Einheits-Stundensatz von 60 Euro für alle Gewerke: 1.200 Euro (plus 30 Euro Lizenzgebühren)

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FAZIT

Keinesfalls zu unterschätzen: der Aufwand, der selbst in einer harmlosen, kleinen Einzel-Webseite steckt. Und wenn Ihr Webauftritt nicht nur aus einer Seite besteht (was der Regelfall ist), sondern aus zehn oder zwanzig, dann dürfen Sie die oben beschriebenen Gesamtkosten der Einzelseite gerne einfach multiplizieren, um einen Richtwert zu bekommen: mal zehn ergeben sich circa 12.000 Euro Gesamtkosten, mal zwanzig sind es über den Daumen 24.000 Euro. Größenordnungen, die durchaus realistisch sind.

Denn am Ende kommt eine Arbeitsstunde zur nächsten. Und die Gewerke geben sich die Klinke in die Hand. Zugegeben: Nicht alle Seiten erfordern so viel Aufwand wie die oben beschriebene. Manche Seiten sind einfacher herzustellen. Andere wiederum sind noch sehr viel aufwändiger. Es bleibt also bei der Antwort von ganz oben: Was kostet so eine Webseite? Es kommt drauf an …

Klar ist aber auch: Das hier beschriebene Beispiel lässt sich auch auf andere Medien übertragen. Ein Print-Flyer, eine Anzeige, ein Film, ein Banner, ein Kommunikationskonzept – im Detail unterscheiden sich die erforderlichen Arbeitsschritte und Gewerke. Aber alles beginnt mit dem ersten Step: den strategischen Überlegungen und dem Konzept. Das Briefing für die Handwerker: Was wollen wir erreichen? Und wie genau machen wir es?

Wenn Sie Fragen zu diesem Artikel oder den darin angesprochenen Themen haben: schicken Sie mir einfach eine Nachricht an frage@bigideas.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback und werde versuchen, Ihre Fragen möglichst genau und schnell zu beantworten.

Edgar Wilkening

Creative Director, Autor, Regisseur bei BIG IDEAS | Edgar Wilkening, Hamburg
Entwickelt und optimiert den Marktauftritt von Unternehmen, Produkten, Dienstleistungen. Vom stringenten Innovationsmanagment über kreative Produktentwicklung bis zur wirksamen Unternehmenskommunikation: Basis sind stets zielgerichtete Strategien, präzise Konzepte und exzellente Realisation. Zahlreiche Awards und Auszeichnungen belegen die hochkarätige Qualität seiner Arbeit.

Edgar Wilkening bietet strategische Kreation, leitet Workshops und hält Vorträge über Markenstrategien im Mittelstand für Unternehmen in ganz Deutschland.

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